Rayen Habchi
Im Rahmen der bestehenden Kooperation mit dem Humboldt-Gymnasium besuchte unser tunesischer Kurs Schülerinnen des 12. und 13. Jahrgangs, die Französisch als Fremdsprache lernen, in ihrem Unterricht. In abwechselnd deutscher und französischer Sprache hielten wir Präsentationen über die Kultur und Traditionen Deutschlands und Tunesiens sowie über die jeweiligen Schulsysteme.
Besonders interessant war der Vergleich der Bildungssysteme. Dass sich Schüler:innen in Deutschland bereits nach der vierten Klasse für unterschiedliche Schulformen entscheiden müssen, war für mich neu. In Tunesien hingegen lernen alle Schüler:innen gemeinsam bis zur neunten Klasse.
Trotz unterschiedlicher Traditionen und religiöser Unterschiede – Tunesien ist überwiegend muslimisch – gibt es viele Gemeinsamkeiten.
In beiden Kulturen spielt die Familie eine zentrale Rolle bei Festlichkeiten. Ob beim Opferfest (Eid al-Adha) in Tunesien oder an Weihnachten in Deutschland: Die Familie kommt zusammen, um Zeit miteinander zu verbringen.
Während Feste in Tunesien häufig laut und öffentlich gefeiert werden, etwa bei mehrtägigen Hochzeiten, sind viele deutsche Traditionen, insbesondere im Winter, eher ruhig und familiär geprägt – wie die besinnliche Adventszeit im Kerzenschein oder Weihnachten. Familie und das gemeinsame Erleben spielen in beiden Ländern eine wichtige Rolle.
Der Austausch war für beide Seiten sehr vorteilhaft und hat uns Themen wie Toleranz und kulturelles Erbe noch nähergebracht. Wir konnten unsere Deutschkenntnisse verbessern, während die deutschen Schüler:innen ihre Französischkenntnisse erweiterten.
Die Schüler:innen begegneten uns mit großer Offenheit. Am wertvollsten ist für mich die persönliche Verbindung, die zwischen uns als tunesischen Botschafter:innen und den deutschen Schüler:innen entstanden ist.